Kinderrechte werden an der Modellschule sichtbar gelebt

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Auf diese Weise wird deutlich, dass jeder Einzelne Verantwortung trägt, Gemeinschaft mitgestalten kann und unser Leben in Zusammenhängen geschieht. Deshalb lauten die ersten Sätze für alle drei Personengruppen gleich: Du hast das Recht, so angenommen zu werden, wie du bist. Du hast die Pflicht, den anderen so anzunehmen, wie er ist. 

Diese Rechte und Pflichten sind nun grundlegend im Schulprogramm verankert und bilden die Basis des Zusammenlebens. Sie hängen auch sichtbar für alle wie Yin und Yang in jedem Gebäude der Schule und sind im Schulplaner sowie auf der Homepage der Schule zu finden. 

Die Schulgemeinde lebt also bereits seit mehr als 30 Jahren auf demokratischer Basis zusammen. In einer wöchentlichen Klassenratsstunde lernen die Kinder zu debattieren, abzustimmen, Probleme zu besprechen und Konflikte zu lösen. Es kann aber auch ein Ort sein, sich gegenseitig Wertschätzung zu zeigen und in Form einer Komplimente-Runde einander zu loben. Alle Klassen wählen halbjährlich zwei neue Klassensprecher*innen, die die Anliegen der Mitschüler im Schülerparlament vertreten. Gemeinsam mit einer Lehrkraft und der Schulleiterin diskutieren die Vertreter dort Probleme, Anliegen und Anschaffungen für die gesamte Schule. Es findet wöchentlich statt und wird von einem Kinderpräsidium geleitet. Es gibt einen Zeit- und einen Leisewächter und ein Ergebnis-Protokoll, das einem großen Personenkreis in der Schule und der Betreuung zugeht. Somit erhält jeder die wichtigen Informationen und kann ebenfalls teilhaben. Gemeinsam wurde so zum Beispiel das Pausenregelheft erarbeitet, das Baumhaus geplant und die Holzpferde angeschafft. 

Mit der Teilnahme am BLK-Programm „Demokratie leben und lernen - Mediation und Partizipation“ ergaben sich ab dem Jahre 2002 neue Impulse für das Schulprofil. Es wurden verbindliche Demokratie-Bausteine für den Unterricht aller Jahrgänge definiert und passende Themenkisten mit Lernmaterialien zusammengestellt. Das Curriculum wird regelmäßig evaluiert und aktualisiert; überholte Inhalte werden verworfen und durch neue Themen ersetzt. Die Kinderrechte werden in der dritten Klasse explizit aufgegriffen und alle Klassen sind aufgefordert, eine Projektidee umzusetzen. So entstehen immer wieder neue Aktionen oder Ausstellungen im Eingangsbereich der Schule und alle Kinder lernen die eigene Rechte kennen. 

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Im Jahr 2010  wurde die Albert-Schweitzer-Schule (ASS) zur Kinderrechte-Modellschule und trat dem Netzwerk Macht Kinder stark (MAKISTA) bei. Dieser hessische Verein unterstützt, vernetzt und berät Schulen im Hinblick auf die Entwicklung von Projekten hin zu einer kindergerechten und demokratischen Gesellschaft. Ein gemeinsames Anliegen aller Netzwerkschulen ist es, Kinder zu stärken und frühzeitig zu befähigen, sich für die eigenen Rechte und die der anderen einzusetzen. Kinder werden beteiligt und haben das Recht, ihre Meinung zu sagen. Sie werden gefragt, gehört und dürfen bei vielen Fragen des Schullebens mitbestimmen.

Die Kinderrechte sind mittlerweile fest verortet im Schulleben, gehören zu den Säulen des Schulprogramms und werden bei allen Vorhaben der Schule mitgedacht. Schon am Schulzaun sind die 10 wichtigsten Kinderrechte in den Sprechblasen weithin lesbar und nach außen hin sichtbar. Um die Kinderrechte für alle Grundschüler direkter erfahrbar zu machen, feiert die Schule jährlich ein buntes Kinderrechte-Fest. Kinder und Lehrkräfte spielen an verschiedenen Stationen auf dem Schulhof und erinnern an eines der grundlegenden Rechte der Kinderrechtskonvention – das Recht auf Spiel und Freizeit. Regelmäßig veranstaltet die Schule auch für die Klassen 3 und 4 Kinderrechte-Workshops und wird dabei von Unicef unterstützt.

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In diesen Veranstaltungen werden verschiedene Kinderrechte thematisiert und die Schüler und Schülerinnen haben die Möglichkeit, die Lebenssituation von Kindern aus anderen Ländern mit der eigenen Lebenswirklichkeit abzugleichen. In solchen Momenten wird den Kindern häufig bewusst, wie privilegiert die meisten Kinder in Deutschland leben können. Auch schwierige, anspruchsvolle Themen wie das Recht auf Teilhabe, Kinderarbeit oder Flucht vor Krieg können innerhalb dieser Tages-Workshops angesprochen und gemeinsam bearbeitet werden.

Die ASS ist heute eine Grundschule mit einem vielfältigen Ganztagsangebot für 380 Schülerinnen und Schüler, die in 17 Klassen und einer sehr großen Nachmittagsbetreuung auf dem Schulgelände lernen und leben. Das Miteinander wird eng gelebt und der Schulalltag ist entsprechend rhythmisiert. Es gibt diverse Kurse am Nachmittag und Lernzeiten am Vormittag. Wir achten darauf, dass es allen Kindern, aber auch den Erwachsenen gut geht. Für die Lehrer*innen und das Betreuerteam wurden Computerarbeitsplätze und Sozialräume geschaffen. Der große begrünte Schulhof bietet mit Baumhaus, Sandkasten, Klettergerüst, Fußballkäfig viele Spielmöglichkeiten und auf der Spielwiese warten die Holzpferde wieder darauf, bespielt zu werden. In der nagelneuen Spieleausleihe Villa Peppino gibt es neben Kleinspielsachen auch Fußballtore, Rolltonnen, Stelzen und viele Fahrzeuge, wie Roller, Taxi, Rikscha oder Kettcar. Zum Wohlbefinden trägt auch ein Schulgarten, eine von Eltern geführte Bücherei, der Werk- und der Computerraum bei. 

Mit der Elternschaft wird ein offener Dialog geführt und es gibt viele Möglichkeiten, sich in das Schulleben zu beteiligen. Alle tragen dazu bei, das Schulleben mitzugestalten. Partizipation wird an der Albert-Schweitzer-Schule ebenfalls großgeschrieben. Die Schülerinnen und Schüler bringen sich ein und übernehmen auch Verantwortung. In den Schulversammlungen gehen die Kinder auf die Bühnen und zeigen selbstbewusst anderen Klassen was sie gelernt haben. Schüler der Jahrgangsstufe 3 übernehmen die Patenschaft für die Schulanfänger in den ersten Klassen. Es gibt außerdem verschiedene Dienste, die die Kinder für die Gemeinschaft übernehmen. Der Pausenspiel-Ausleihdienst ist besonders beliebt, Boten- und Papierkorbdienst ebenfalls – der Toilettendienst weniger. Zur friedlichen Schulatmosphäre trägt auch bei, Konflikte zeitnah und offen zu thematisieren.

Die Kollegen und Kolleginnen erhalten eine Ausbildung in den Grundlagen der Mediation und können die Kinder deshalb gut unterstützen, Konflikte selbstständig zu klären. Die Streicht-Schlichter-Füße helfen den Kindern nach einem Streit, im Gespräch wieder aufeinander zuzugehen und eigenständig eine Klärung herbeizuführen. So können viele kleine Differenzen direkt zwischen den Kindern gelöst werden. Für größere Gruppenkonflikte oder länger andauernde Probleme können auch Termine mit der Vertrauenslehrerin vereinbart werden.

 

Ganz aktuell werden die Kinder für den Umweltschutz und das Recht auf eine saubere Umwelt sensibilisiert. Denn in den vergangenen Jahren hat unser Baumbestand sehr stark unter den Stürmen und der Trockenheit gelitten. Auf dem gesamten Schulgelände ist der Baumbestand in Gefahr und bedarf der Pflege und des Schutzes. Daraufhin wurde das Motto des Monats ausgerufen: „Wir achten die Natur und schützen die Büsche und Bäume“. 

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Dieser Aufruf ist in allen Gebäudeteilen plakatiert und wird regelmäßig auch im Schülerparlament besprochen. Verschiedene Ideen wurden entwickelt, wie die Natur auf dem Schulhof geschützt werden kann. Seitdem gibt es Gießsäcke, kleine Zäune um einige Büsche, Hinweisschilder und Stoffbahnen als Schutz für Beete und junge Bäume. Im Laufe des Jahres sollen noch Baumpatenschaften und Gießdienste eingerichtet werden. 

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Schule gemeinsam zu gestalten und im Sinne der Kinder weiterzuentwickeln wird auch zukünftig unser Ziel sein. Alle Menschen sollen sich in unserer Grundschule wohl fühlen, friedlich miteinander leben und lernen können. 

 

Barbara Busch, Schulleiterin

Albert-Schweitzer-Schule Langen, www.albert-schweitzer-schule-langen.de

Kinderrechte

Demokratielernen hat an der Albert-Schweitzer-Schule eine lange Tradition. Schon im Jahre 2002 machte sich das Kollegium der ASS auf den Weg, basierend auf gemeinsamen Grundgedanken eine Schulordnung zu entwickeln, weil es in den Pausen viele Konflikte gab und kein abgestimmtes Verhalten der Lehrkräfte. Es fehlten grundlegende Regeln – Leitziele, die das Miteinander definierten. Damals entstanden Arbeitsgruppen und unter Einbeziehung der Eltern- und Schülerschaft entwickelten sich die Rechte und Pflichten für Lehrkräfte, Kinder und Eltern; jedem Recht wurde eine Pflicht gegenübergestellt.